Katie Boulter hat ohne Zweifel turbulente zwölf Monate hinter sich. Am Samstagabend setzte die Britin in Ostrava jedoch ein deutliches Ausrufezeichen: Unter ihrem neuen Trainer Michael Joyce sicherte sie sich mit einem Finalsieg gegen
Tamara Korpatsch den Titel bei den Ostrava Open.
Boulters Wendepunkt mit neuem Coach und Titel in Ostrava
Auch für Korpatsch war das Endspiel ein besonderer Moment. Die Deutsche hatte sich in Ostrava mit stabilen Auftritten ins Finale gespielt, dabei phasenweise sehr konsequent von der Grundlinie agiert und sich mit ihrer Konstanz sowie ihrem Kampfgeist durch enge Situationen gearbeitet. Im Finale blieb sie über weite Strecken dran, musste sich am Ende aber Boulters höherem Tempo und der besseren Quote in den entscheidenden Momenten geschlagen geben.
Match Stats Katie Boulter vs. Tamara Korpatsch 5:7, 6:2, 6:1
| Katie Boulter |
VS |
Tamara Korpatsch |
| 3 |
Aces |
5 |
| 0 |
Double Faults |
2 |
| 69% (47/68) |
1st Service Percentage |
68% (55/81) |
| 77% (36/47) |
1st Service Points Won |
58% (32/55) |
| 57% (12/21) |
2nd Service Points Won |
50% (14/28) |
| 0% (0/2) |
Break Points Saved |
33% (3/9) |
| 85% (11/13) |
Service Games |
57% (8/14) |
| 42% (23/55) |
1st Return Points Won |
23% (11/47) |
| 50% (14/28) |
2nd Return Points Won |
43% (9/21) |
Vor rund einem Jahr schien für Boulter noch alles nach Plan zu laufen. Nach einem starken Saisonabschluss 2024 war sie klar die Nummer eins Großbritanniens. Doch Verletzungen und der Verlust wichtiger Weltranglistenpunkte bremsten sie aus. Zum Ende der vergangenen Saison rutschte sie aus den Top 100 und stand zeitweise sogar vor der Aussicht, bei den Australian Open in der Qualifikation antreten zu müssen.
In dieser Woche gelang ihr nun die Kehrtwende. Mit dem Turniersieg stabilisierte Boulter ihre Situation und macht im Eiltempo Boden gut – das Ziel Top 80 ist wieder in Reichweite. Bewusst setzt sie aktuell auf kleinere Turniere, um nach ihren Verletzungsproblemen wieder Spielpraxis und Selbstvertrauen aufzubauen. Nach anhaltenden Adduktorenproblemen musste sie Ende des vergangenen Jahres abwägen, ob sie ein erhöhtes Risiko eingeht oder eine Pause einlegt, um langfristig neu aufzubauen.
Diese Entscheidung brachte ihr zwischenzeitlich Kritik ein. Weil sie auf kleinere Turniere wie Angers verzichtete und stattdessen bei der Geburtstagsfeier von Laura Robson gesehen wurde, wurde ihr von einigen Beobachtern mangelnde Prioritätensetzung vorgeworfen. Auch ihre Hochzeitsplanung stand plötzlich im Fokus.
Neuer Coach, neuer Schwung
Die sportliche Antwort folgte nun auf dem Platz. Mit Michael Joyce hat Boulter seit wenigen Wochen einen neuen Trainer an ihrer Seite. Er ersetzt ihren langjährigen Coach, von dem sie sich zu Jahresbeginn bewusst getrennt hatte, um neue Impulse zu setzen.
„Wir arbeiten erst seit ein paar Wochen zusammen, aber wir haben schon einen Titel geholt – und das ausgerechnet in deiner Geburtstagswoche“, scherzte Boulter nach dem Finalsieg. „53 Jahre, ein großes Ding. Das war dein Geschenk an dich selbst. Ich hoffe, wir können weiter richtig viel Arbeit investieren.“
Für Korpatsch ist der Finaleinzug ebenfalls ein Signal. Nach Monaten, in denen sie sich häufig durch frühe Runden kämpfen musste, zeigt der Lauf in Ostrava, dass sie auf diesem Niveau wieder konstant mithalten kann. Der Auftritt dürfte ihr Rückenwind für die kommenden Turniere geben – gerade, weil ihr Spiel über lange Ballwechsel und ihre defensive Stabilität in dieser Woche mehrfach den Ausschlag gaben. Am Ende fehlte dann einmal die Energie.
Für das britische Tennis war es insgesamt ein erfolgreiches Wochenende, nachdem auch das Davis-Cup-Team um Jack Draper weiterkam. Boulter gelang dabei etwas, das Emma Raducanu verwehrt blieb.
Raducanu unterlag im Finale der Transylvania Open deutlich der Rumänin Sorana Cirstea.
Boulter hingegen blickt nach vorne. Mit dem anstehenden Middle-East-Swing stehen weitere Turniere auf dem Programm, die ihr helfen sollen, den positiven Schwung mitzunehmen und ihr Comeback in der erweiterten Weltspitze weiter voranzutreiben.