„Ich habe nicht das Gefühl, mit Tennis ‚fertig‘ zu sein“: Novak Djokovic spricht über Motivation nach holprigem 2026-Start

ATP
Sonntag, 12 April 2026 um 11:30
Novak Djokovic ballt die Faust Richtung Zuschauer.
Novak Djokovic trat zuletzt in Indian Wells an, wo seine Saison 2026 nach einem starken Start ins Stocken geriet, der einen Lauf bis ins Australian-Open-Finale einschloss. Seither hat der Serbe sowohl für Miami als auch Monte-Carlo zurückgezogen, um körperliche Probleme in den Griff zu bekommen, die seinen Kalender in der frühen Saisonphase unterbrochen haben.
Eine Rückkehr bei den Madrid Open wird derzeit erwartet, ist jedoch noch nicht endgültig bestätigt. Djokovics begrenzte Aktivität spiegelt eine gezielte Anpassung statt einer vollständigen Auszeit wider, da er weiterhin Erholung und ausgewählte Einsätze in Einklang bringt. Mit 38 wird sein Kalender zunehmend von Bereitschaft statt Kontinuität bestimmt, mit weniger Turnieren, aber gezielter Vorbereitung.
Dieser Wandel geht einher mit einer grundsätzlichen Weiterentwicklung seiner Herangehensweise an Leistung. Anstatt Tennis von äußeren Faktoren zu isolieren, verortet er Ergebnisse nun enger in seinem inneren Zustand, besonders in Phasen gestörter Rhythmusabläufe.
Er beschreibt diese Verbindung in klaren Worten und betont, dass Leistung nicht mehr ausschließlich über körperliche Verfassung oder Matchpraxis definiert ist.

Mentales Gleichgewicht nun zentral in Djokovics Leistungsmodell

Djokovic misst mentaler und emotionaler Stabilität zunehmend entscheidende Bedeutung bei, um auf höchstem Niveau bestehen zu können. Diese Sichtweise hat an Gewicht gewonnen, da sein Spielplan mehr Flexibilität und Anpassung verlangt. „Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass mentales und emotionales Wohlbefinden alles ist“, sagte der 24-fache Grand-Slam-Champion gegenüber Esquire. „Auf dem Court und abseits davon bin ich dieselbe Person. Wenn innerlich etwas nicht stimmt, spiegelt sich das in meinem Tennis – daran besteht kein Zweifel.“
Der Serbe ordnet diese Entwicklung als schrittweisen Prozess ein, nicht als Reaktion auf jüngste Rückschläge. Sein Fokus hat sich darauf verlagert, Leistung und Erwartungen über längere Zeiträume zu steuern, insbesondere da die körperlichen Anforderungen konstant bleiben, während die Erholungsfenster kleiner werden.
Dieser Ansatz beinhaltet ein größeres Maß an Akzeptanz für Grenzen, ohne die wettkampferischen Maßstäbe zu senken. Djokovic beschreibt dieses Gleichgewicht als essenziell, um Leistung tief in seiner Karriere aufrechtzuerhalten. „Für mich entstand dieses Gleichgewicht durch einen ganzheitlicheren Ansatz und die Einsicht, dass ich ein Mensch bin. Ich mache Fehler, ich habe Schwächen, und das ist in Ordnung. Um stark, mutig und erfolgreich zu sein, muss man sich auch erlauben, verletzlich zu sein.“

Motivation bleibt trotz Verletzungen und reduziertem Spielplan unverändert

Trotz einer unterbrochenen Saison 2026 betont Djokovic, dass sein Wettbewerbsantrieb unvermindert ist. Sein Lauf ins Australian-Open-Finale zu Jahresbeginn bestätigte seine Fähigkeit, auch mit reduziertem Programm auf Grand-Slam-Niveau mitzuhalten. „Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich Tennis ‚abgehakt‘ habe.“
Diese Aussage unterstreicht sein anhaltendes Bekenntnis zum Sport, gerade in einer Landschaft, die zunehmend von jüngeren Herausforderern geprägt ist. Djokovic definiert den Wettkampf selbst weiterhin als primäre Triebfeder, nicht externe Meilensteine.
Er hebt zudem die ungebrochene Faszination hervor, sich mit der nächsten Generation zu messen, und stellt dies als wesentlichen Faktor für seine Entscheidung dar, weiter anzutreten.
„Was mich antreibt, ist in erster Linie meine Liebe zum Spiel“, fügte er hinzu. „Tennis ist so lange mein Leben gewesen, und ich genieße noch immer jeden Moment auf dem Court. Ich liebe den Wettbewerb, ich liebe die Herausforderung, und ich fühle mich nach wie vor stark und in der Lage, mit den jüngeren Spielern mitzuhalten – das macht für mich einen großen Teil des Reizes aus.“

Klügere Vorbereitung prägt Djokovics nächste Phase

Djokovics aktueller Vorbereitungsansatz steht klar im Zeichen von Effizienz. Die Absagen für Miami und Monte-Carlo unterstreichen den Fokus auf langfristiges körperliches Management statt kurzfristiger Resultate. „In dieser Phase meiner Karriere geht es bei der Vorbereitung nicht nur darum, härter zu trainieren. Es geht darum, klüger zu trainieren, auf meinen Körper zu hören und sicherzustellen, dass ich körperlich und mental in Bestform bin, um auf dem höchsten Niveau zu spielen.“
Diese Neukalibrierung reicht über das Tennis hinaus. Djokovic räumt ein, dass sich seine Prioritäten erweitert haben, wobei Familie und persönliches Gleichgewicht eine größere Rolle bei der Gestaltung seines Spielplans und seiner Entscheidungen spielen. „Tennis ist mir weiterhin sehr wichtig, aber es ist nicht mehr alles. Und auf gewisse Weise gibt mir das mehr Stärke.“
Da Madrid als möglicher Rückkehrpunkt in den Blick rückt, wird Djokovics nächster Auftritt eher von seiner körperlichen Bereitschaft als von fester Planung abhängen. Das Ziel bleibt unverändert: Wettbewerbsfähigkeit auf höchstem Niveau zu erhalten, auch wenn der Weg dorthin nun mehr Selektivität und Kontrolle erfordert.
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