Alex Michelsen hat auf der ATP Tour einen rasanten Aufstieg hingelegt, doch der Amerikaner verriet kürzlich, dass seine Profi-Laufbahn beinahe in eine ganz andere Richtung gegangen wäre. In Andy
Roddicks Served-Podcast erklärte der Kalifornier, dass er noch vor wenigen Saisons ernsthaft das College in Betracht zog, während er damit rang, in den unteren Rängen der Weltrangliste durchzubrechen.
Damals pendelte Michelsen um Platz 250 der Welt – eine Position, in der man, wie er es formulierte, „kein Geld verdient“. Spieler in diesem Bereich sind oft auf Challenger-Turniere und Qualifikationen angewiesen, wobei das Preisgeld die Reise- und Trainerkosten auf der Tour kaum deckt.
Diese Umstände machten die College-Option für seine Familie attraktiv. Michelsen stammt aus einem bildungsorientierten Haushalt, sein Vater ist Anwalt, seine Mutter Lehrerin. Obwohl er stets hoffte, sich als Profi durchzusetzen, gab er zu, dass die Fortsetzung seines Studiums eine realistische Alternative gewesen wäre, falls die Ergebnisse ausblieben.
Innerhalb weniger Wochen änderte sich alles. Ein Challenger-Titel und anschließend ein Lauf bis ins Finale des ATP-250-Turniers in Newport hievten sein Ranking nahe an die Top 140 und beseitigten die letzten Zweifel an der Profi-Laufbahn.
Der Scheideweg: Als Platz 250 College bedeutete
Michelsen beschrieb die Phase um Platz 250 als den Moment, in dem die Realitäten des Profitennis deutlich wurden. Abseits der obersten Ebenen des Sports sind die finanziellen und sportlichen Margen extrem dünn, was es jungen Spielern ohne konstante Resultate schwer macht, eine Karriere zu tragen.
Seine Eltern, fest in akademischen Laufbahnen verwurzelt, ermutigten ihn, den College-Weg ernsthaft zu erwägen. Es war ein Gespräch, dem sich viele junge Spieler stellen, wenn ihr Ranking im Challenger-Bereich stagniert. „Meine Eltern wollten wirklich, dass ich zur Schule gehe. Mein Vater ist Anwalt, meine Mutter ist Lehrerin. Sie sind sehr schulorientierte Menschen und sie wollten wirklich, dass ich zur Schule gehe. Glaub mir, ich wollte nicht zur Schule gehen.“
Das Ranking selbst war der größte Faktor in dieser Diskussion. Um Platz 250 zu bleiben bedeutete unsichere Einnahmen und einen Terminkalender dominiert von Challenger-Turnieren. „Ich erinnere mich, ich war drei oder vier Monate um 250, und sie meinten: ‚Nun, bei 250 verdienst du kein Geld, also kannst du genauso gut zur Schule gehen.‘ Ich so: ‚Ja, stimmt. Ich hab nicht allzu viel Geld auf meinem Konto.‘“
Challenger-Durchbruch und die Wendung in Newport
Die Situation änderte sich dramatisch, als Michelsen die ersten großen Resultate seiner jungen Karriere einfuhr. Er holte einen Challenger-Titel und erreichte anschließend das Finale des ATP-250-Turniers in
Newport, ein Lauf, der sein Ranking rasch nach oben trieb.
Dieser Sprung brachte ihn von etwa Platz 250 in die Nähe der Top 140 und öffnete die Tür zu ATP-Qualifikationen und stärkerer Konkurrenz. „Dann auf einmal habe ich einen Challenger gewonnen und Newport finalt und war so um 140. Ab da war es irgendwie ein No-Brainer. Aber ja, glaub mir, ich wollte nicht zur Schule gehen. Also bin ich froh, ein bisschen Ball zu spielen.“
Mit dem Ranking-Durchbruch kamen Chancen, sich auf der ATP Tour gegen namhaftere Gegner zu messen. Seither hat Michelsen mehrere Topspieler gefordert, während er sich weiter auf dem Circuit etabliert.
Die Unterschiede zwischen Top 100 und dem Rest lernen
Mit wachsender Erfahrung auf ATP-Niveau begann Michelsen zu erkennen, was die besten Spieler vom übrigen Feld trennt. Seiner Ansicht nach ist es nicht unbedingt die Schlagtechnik, sondern die Art, wie die Elite in Drucksituationen performt.
Besonders verwies er auf entscheidende Momente wie Breakbälle, in denen die Topspieler konstant ihr bestes Tennis abrufen. „Ich finde, die Jungs in den Top 100 spielen die Druckpunkte unfassbar gut im Vergleich zu denen, die nicht Top 100 sind. Jedes Mal, wenn ich gegen einen richtig guten Gegner spiele und einen Breakball habe, machen die zu 80 Prozent den ersten Aufschlag.“
Duelle mit der Tour-Elite haben auch die Bedeutung von Matchups verdeutlicht. Michelsen verwies auf eigene Schwierigkeiten gegen bestimmte Gegner, als er darüber sprach, wie Spielstile auf der ATP Tour aufeinandertreffen. „Ich frag ihn so: Wie schlägst du Medvedev? Ich so: Ich weiß nicht, wie man das macht. Der zerlegt mich jedes Mal.“
Trotz dieser Herausforderungen erkennt der Amerikaner an, wie rasant sich seine Karriere seit den Monaten der College-Debatte entwickelt hat. „Als ich so um 140 war, dachte ich: ‚Okay, jetzt ist das mein Leben.‘“
Laver-Cup-Erfahrung an der Seite von Agassi und den größten Namen der Tour
Ein weiterer Meilenstein in Michelsens schnellem Aufstieg war seine Teilnahme am Laver Cup, dem Teamwettbewerb zwischen Team World und Team Europe. Der Amerikaner wurde für Team World nominiert und spielte unter der Führung von Andre Agassi, gemeinsam mit Kapitän Patrick Rafter. Das Event bot einige der größten Namen des Sports auf, darunter Carlos Alcaraz, Daniil Medvedev und Alexander Zverev auf europäischer Seite.
Für Michelsen war die Erfahrung, die Umkleide mit etablierten ATP-Stars zu teilen und im Teamformat anzutreten, etwas völlig anderes als alles, was er zuvor auf der Tour erlebt hatte. Er beschrieb die Atmosphäre als intensiv und emotional aufgeladen, zumal Agassi in jedes Match stark involviert war.
„Eine der besten Wochen meines Lebens“, sagte die Nummer 44 der Welt. „Ihn dort zu sehen, diese Energie, wie sehr er wollte, dass wir gewinnen — er wollte so sehr, dass wir gewinnen. Man hat in den Matches gesehen, er war nervös, aber im positiven Sinne.“
Der Amerikaner beendete den Wettbewerb mit einem Sieg aus vier Matches, doch die Resultate waren zweitrangig gegenüber der Erfahrung in einem hochkarätigen Umfeld gegen einige der stärksten Spieler der Welt. Die voll besetzte Arena und die Teamdynamik schufen einen besonderen Druck im Vergleich zu normalen ATP-Turnieren.
„Ich kam raus, so steif wie ein Seil, und er hat mir in diesem Match wirklich geholfen. Ihn dort zu sehen — wie kann man sich mit Agassi nicht inspiriert fühlen? Und Rafter auch. Ich habe nur eines von vier Matches gewonnen, aber ich hatte trotzdem viel Spaß.“