Psychodrama in Melbourne: Eva Lys verliert den Faden, Cirstea bleibt bei sich

WTA
Dienstag, 20 Januar 2026 um 9:55
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Es gibt Matches, die knallen auf den Center Court. Und es gibt Matches, die sich leise festbeißen. In der ersten Runde der Australian Open gehörte Eva Lys gegen Sorana Cîrstea genau zur zweiten Sorte: ein Duell, das nicht auf Spektakel setzte, sondern auf Spannung. Kontrolle wechselte wie ein Staffelstab, die Nerven waren der heimliche Hauptdarsteller.

Cirstea dreht das Match gegen Lys – Nervenstärke schlägt Aufbruch

Lys war zunächst diejenige, die die Geschichte schrieb. Sie spielte den ersten Satz mit einer Mischung aus Geduld und Mut, 6:3, sauber gebaut. Nicht blindes Draufgehen, sondern präzise Angriffe, wenn sich die Lücke zeigte. Besonders auffällig: ihre plötzlichen Seitenwechsel, diese Richtungsänderungen, die eine Rally in einem Augenblick umdrehen können.
Cirstea stand oft gut, manchmal sogar perfekt — und musste sich dann doch neu sortieren, weil Eva Lys den Ball genau dorthin lenkte, wo es unbequem wurde.
Eva Lys beim China Open
Eva Lys wird als der nächste deutsche Star gehandelt - mit Top-Leistungen, der Persönlichkeit abseits des Platzes und den zunehmenden kommerziellen Engagements ist sie auf dem besten Weg dorthin

Das Bild kippte

Es war nicht so, dass Lys komplett einbrach. Es war subtiler, nerviger, gefährlicher: Die Klarheit ging verloren. Entscheidungen dauerten einen Schlag zu lang, die Fehler schlichen sich ein, der Arm wurde ein bisschen enger. Plötzlich wirkte ihr Tennis nicht mehr wie ein Plan, sondern wie eine Frage: Gehe ich jetzt drauf oder lieber doch nicht?
Cirstea brauchte dafür keine Wunder. Sie brauchte nur diese eine Eigenschaft, die erfahrene Spielerinnen so brutal macht: Sie erkennt Zögern sofort. Als Lys im zweiten Satz bei 4:4 zwei Breakbälle hatte und kurz davor stand, die Tür zuzuschlagen, stand Cirstea da wie jemand, der eine Einladung annimmt. Ein paar präzise Aufschläge, ein paar längere Ballwechsel, ein paar Bälle extra zurück — und die Sache drehte sich. 6:4 für die Rumänin, Satzgleichstand, alles wieder offen.

Der dritte Satz wurde eine Prüfung

Cirstea ging 3:1 nach vorn, das wirkte wie Routine, wie ein Drehbuch, das sie schon kennt. Lys blieb dran, kämpfte sich zurück, auch mit einem Quäntchen Glück, ein Netzroller hier, ein Punkt, der hängen blieb. Und in dieser Phase passierte das Spannendste: Lys stellte komplett um. Kein Abwarten mehr. Sie nahm die Bälle früher, ging weiter rein, spielte All-in.
Für ein paar Spiele war das elektrisierend, weil es das Match wieder aufriss und Cirstea aus dem Rhythmus brachte.

Match Statistics Cirstea vs. Lys

Cirstea VS Lys
Service
9 Aces 0
3 Double Faults 2
59% (60/101) 1st Service Percentage 71% (63/89)
67% (40/60) 1st Service Points Won 60% (38/63)
47% (20/43) 2nd Service Points Won 54% (14/26)
64% (7/11) Break Points Saved 55% (6/11)
71% (10/14) Service Games 64% (9/14)
Return
40% (25/63) 1st Return Points Won 33% (20/60)
46% (12/26) 2nd Return Points Won 53% (23/43)

Nur ist All-in eben auch All-in

Je näher die Ziellinie kam, desto schmaler wurde der Grat. Und bei 4:4 war er zu schmal. Cirstea machte das, was sie so gut kann: Sie gab Lys keine klaren Geschenke, aber sie stellte die Frage bei jedem Ball neu. Bleibst du mutig? Bleibst du präzise? Und irgendwann war die Antwort ein Fehler zu viel. Break zum 5:4, danach ein abgeklärtes Aufschlagspiel — keine Panik, keine Verzögerung, einfach zu Ende gespielt.
Für Lys fühlt sich so ein Match doppelt schwer an, weil es nicht nur um den Moment geht. In Melbourne hängen Punkte, Erwartungen, Ranglistenmathematik. Man merkte: Je länger es dauerte, desto mehr spielte auch das mit.
Cirstea dagegen wirkte, als würde sie sich von all dem nicht anfassen lassen — als sei sie eher in einem Modus der Klarheit als in einem Modus der Angst.
Sorana Cirstea Sorana Australian Open in 2020
Sorana Cirstea Sorana Australian Open in 2020
Das Ergebnis erzählt am Ende nicht die ganze Geschichte. Lys hatte dieses Match in der Hand, sie hatte die Ideen, sie hatte die Phasen, in denen sie besser war. Aber ungefähr ab der Mitte begann sie zu ringen — nicht nur mit Cirstea, sondern mit dem eigenen Timing, der eigenen Konsequenz. Cirstea gewann nicht, weil sie zauberte.
Sorana Cirstea gewann, weil sie in den letzten Minuten genau wusste, wer sie ist.
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