Greg Rusedski hat die Auffassung zurückgewiesen, Jannik Sinners jüngste Niederlagen stünden für eine strukturelle Verschiebung an der Spitze des Herrentennis. Der ehemalige US-Open-Finalist bezeichnete das Formtief des Italieners als „einen kleinen Ausrutscher“ und mahnte nach zwei Niederlagen in Serie zur Einordnung. Sinner, der sich in der vergangenen Saison durch beständige Leistungen als Nummer 1 der Welt etablierte, steht nach Pleiten gegen Novak Djokovic bei den Australian Open und anschließend gegen Jakub Mensik wieder verstärkt im Fokus.
Sinners Delle oder Trendbruch? Rusedski bremst den Alarm
Die Niederlage bei den Australian Open prägt einen Großteil der Debatte. Sinner reiste als zweifacher Titelverteidiger nach Melbourne und wollte seine Position bei einem Turnier festigen, das lange von Djokovic dominiert wurde. Anstatt die Pleite als Beleg eines Niedergangs zu deuten, verwies Rusedski auf die statistischen Margen und Matchdynamiken, die den Ausgang bestimmten.
„Statistisch hat Sinner in diesem Match gegen Djokovic fast jede Kategorie gewonnen, außer dem letzten Punkt“, sagte Rusedski in seinem Podcast „
Off Court“ und betonte, wie eng die Partie war. „Novak hat eine unglaubliche Leistung gebracht, um einen Weg zu finden, dieses Match zu gewinnen. Auf dem Papier sah es nicht so aus, als würde das passieren.“
Die anschließende Niederlage gegen Mensik bei den Qatar Open verstärkte die Diskussion über die Breite auf der Tour und darüber, ob das Verfolgerfeld den Rückstand verkleinert. Rusedski warnte jedoch davor, aus Resultaten zu Saisonbeginn weitreichende Schlüsse zu ziehen, und argumentierte, dass die Grand Slams weiterhin der passende Maßstab für die Bewertung einer Nummer 1 der Welt seien.
Sinner: Einordnung statt Alarmismus
Rusedskis übergeordnete Botschaft zielte auf eine maßvolle Analyse. Er räumte ein, dass die Konkurrenz an der Spitze sichtbarer geworden ist, wehrte sich aber dagegen, dies als Rückschritt für Sinner zu framen. Aus seiner Sicht sind Schwankungen über eine lange Saison unvermeidlich, zumal die Abstände zwischen den Topspielern minimal sind.
„Meiner Meinung nach ist es ein kleiner Ausrutscher“, sagte er und bekräftigte, dass die Niederlagen seine Erwartungen bei den größten Turnieren nicht verändern. Er ergänzte: „Man muss das mit einer Prise Salz nehmen. Ich mache mir bei den Majors um Sinner keine Sorgen.“
Rusedski verwies zudem auf die taktische Weiterentwicklung in Sinners Spiel und merkte an, dass Experimentieren und Feinschliff Ergebnisse vorübergehend beeinflussen können. „Wir sehen mehr Variabilität in seinem Spiel, und wir müssen dem Rest der Tour Respekt zollen — sie beginnen, ihr Niveau anzuheben“, sagte er, bevor er die Wettbewerbssituation prägnant zusammenfasste: „Ich glaube, das Feld rückt ein wenig näher.“
„Alcaraz war mit diesem Aufschlag phänomenal“
Während Sinners Resultate externe Reaktionen auslösten, hob Rusedski auch
Carlos Alcaraz’ jüngste Entwicklung hervor und konzentrierte sich auf nachvollziehbare technische Anpassungen statt auf breite Vergleiche. Besonders der Aufschlag des Spaniers rückte als messbares Feld der Verfeinerung in den Mittelpunkt.
„Er war mit diesem Aufschlag phänomenal“, sagte Rusedski. „Mir gefällt die Aufschlagbewegung, die Art, wie das Handgelenk etwas lockerer ist. Mir gefällt, wie er Verantwortung übernimmt.“ Seine Ausführungen deuteten auf strukturelle Verbesserungen statt auf einen kompletten Stilwechsel hin.
Über die Technik hinaus verwies Rusedski auf Alcaraz’ langfristiges psychologisches Konzept als Teil seines Fortschritts. „Ich habe ein Interview gesehen, in dem er darüber sprach, seit sieben Jahren mit einem Sportpsychologen zu arbeiten“, merkte er an und ergänzte, der Spanier „wächst einfach als Mann“.
„Sie gehen eine Wette ein“: Rusedski erklärt die Logik hinter Raducanus Sponsoring
Emma Raducanus Sponsoringwechsel von Nike zu Uniqlo bildete den dritten Strang von Rusedskis Analyse. Fünf Jahre nach ihrem US-Open-Titel bleibt Raducanu kommerziell präsent, obwohl ihre Platzierung und körperliche Verfassung in den vergangenen Saisons schwankten. Rusedski betrachtete das Thema eher aus geschäftlicher als aus rein sportlicher Perspektive.
„Der Uniqlo-Deal ergibt für sie wahrscheinlich eine Menge Sinn“, sagte er. „Sie suchen Markenbotschafter — sie schauen auf Instagram-Follower, TikTok, all diese Dinge. Verträge basieren nicht immer auf deinem Tennisranking, sie basieren auch auf deinen Followern. Sie betrachten das aus Business-Perspektive.“
„Sie gehen die Wette ein, dass sie in die Top 10 zurückkehrt, wieder um Slams mitspielt und einen gewinnt — das wäre das Nonplusultra“, fügte Rusedski hinzu und schloss mit den Worten, „so wie ich sie kenne, haben sie ihre Zahlen gemacht. Ich finde, es ist eine großartige Partnerschaft. Daumen gedrückt, dass sie gesund bleibt und ihr Tennis zusammenbekommt. Meiner Meinung nach ist die Wette es wert.“