„Null. Ich habe nichts geschaut“: Arthur Fils gesteht, dass er das Australian-Open-Finale ausgelassen hat und die einzigen Kollegen nennt, die er sich anschaut

ATP
Mittwoch, 04 Februar 2026 um 11:00
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Arthur Fils erklärte, dass er dem Finale der Australian Open keine Beachtung geschenkt habe und nur die Matches von drei Kollegen verfolge — von denen keiner die Endrunde in Melbourne erreicht hat.

Interview: Fils über Tennis-Distanz und sein neues Selbstverständnis

Nach mehr als einem halben Jahr außerhalb des Circuits, einer schweren Rückenverletzung und einem deutlichen Absturz in der ATP-Weltrangliste kehrt der 21-jährige Franzose beim Open Occitanie in Montpellier zurück — genau dort, wo er einst begann, sich auf der Tour einen Namen zu machen.
Doch nicht seine sportliche Rückkehr sorgte in den vergangenen Tagen in der Tenniswelt für die größte Aufmerksamkeit, sondern ein ebenso ehrliches wie überraschendes Bekenntnis zu seinem aktuellen Verhältnis zum Circuit — und zu dessen größten Stars.
Während die Tenniswelt jeden Schritt von Novak Djokovic, Carlos Alcaraz oder Jannik Sinner genau verfolgt, räumte Fils ohne Zögern ein, dass sich all dieser Trubel für ihn völlig weit weg anfühle. Auf die Frage nach dem jüngsten Australian-Open-Finale — gewonnen von Alcaraz — lieferte der Franzose eine Antwort, die Journalisten wie Fans gleichermaßen verblüffte.
„Null. Ich habe nichts geschaut. Ich habe gesehen, dass Carlos gewonnen hat, aber ich habe seit Langem kein Tennismatch mehr gesehen. Ich verfolge das eigentlich nicht mehr“, sagte Fils mit völliger Natürlichkeit — eine Aussage, die in scharfem Kontrast zur allgegenwärtigen Fixierung auf jedes große Match im Kalender steht. Für einen Spieler, der vor einem Jahr noch fest in der Weltspitze etabliert war, blieb dieser Kommentar nicht unbemerkt.
Weit davon entfernt, seine Worte abzumildern, ging Fils noch weiter und erklärte, dass es auf der gesamten Tour nur drei Spieler gebe, deren Matches er sich gelegentlich ansehe. Und auf dieser Liste stehen weder Djokovic noch Sinner noch Alcaraz selbst. „Ich verfolge nur Gio (Giovanni Mpetshi Perricard), Foki (Alejandro Davidovich Fokina) und Ben Shelton. Das war’s“, stellte er klar. Eine persönliche, fast introspektive Sicht, die den besonderen Moment widerspiegelt, den der Franzose nach Monaten der körperlichen und mentalen Frustration durchlebt.

Ein Comeback, geformt von körperlicher und mentaler Widerstandskraft

Der Kontext hilft, seine Haltung einzuordnen. Arthur Fils erreichte im Mai 2025 mit Rang 14 seine bisher beste Platzierung, doch sein Aufstieg wurde jäh von einer schweren Verletzung gestoppt: einem bei Roland Garros erlittenen Bruch im Rücken. Dieser Rückschlag riss ihn völlig aus dem Wettkampfrhythmus, zwang ihn zu acht Monaten Pause und ließ ihn auf Platz 42 der ATP-Rangliste abrutschen. Ein schwerer Schlag für einen Spieler, der sich in rasantem Tempo entwickelt hatte.
„Der schlimmste Moment war, als ich Bercy (Paris) absagen musste. Aber ich musste meinen Körper schützen. Hätte ich damals gespielt, wäre ich heute vermutlich nicht hier“, erklärte Fils und beschrieb einen Prozess, den er selbst als „einen langen Weg“ definierte. In dieser Zeit arbeitete der Franzose nicht nur an der Genesung, sondern veränderte auch seinen Körper und seine Spielweise.
In diesem Zeitraum verlor er sechs bis sieben Kilo, passte seinen Aufschlag an, justierte seine Bewegung und baute sein Spiel mit dem Hauptziel um, den Rücken zu schützen. „Ihr werdet die Veränderungen schon am Dienstag auf dem Platz sehen. Wir haben drei Monate unglaublich hart daran gearbeitet. Das Ziel für 2026 ist klar: die gesamte Saison gesund und fit bleiben“, versicherte er.

Siegreiches Comeback in Montpellier: sehr positive Signale

Und die ersten Anzeichen waren ermutigend. Nachdem er im vergangenen Monat kurzfristig bei den Australian Open zurückgezogen hatte, entschied sich Fils fürs Abwarten und eine Rückkehr ohne Hektik. Diese Entscheidung erwies sich als richtig. Bei seinem Debüt beim Open Occitanie in Montpellier bezwang er Landsmann Valentin Royer in einem intensiven Erstrundenkrimi: 7:6(7), 6:7(4), 6:2 in 2 Stunden und 32 Minuten Spielzeit.
Wüsste man nicht, dass er sechs Monate nicht competet hatte — sein letztes Match datiert vom 01.08. in Toronto gegen Jiri Lehecka —, wäre seine Auszeit kaum aufgefallen. Fils zeigte seinen gewohnten Biss, eine solide Erste-Aufschlag-Quote und eine Ballführung mit Tiefe und Tempo. Er wehrte im Auftaktsatz einen Satzball ab, dominierte mit seinem Aufschlag (insgesamt 14 Asse) und antwortete in den Schlüsselmomenten mit Autorität.
Das Match hatte Höhen und Tiefen, mit zwei Tie-Breaks und langen Grundlinienrallyes. Royer ging phasenweise in Führung, doch Fils setzte in den wichtigen Momenten seine Hierarchie durch. Im dritten Satz, nach mehr als zwei Stunden Spielzeit, zeigte er keinerlei Ermüdungserscheinungen: Er breakte zum richtigen Zeitpunkt und machte die Partie souverän zu, ehe er nach dem letzten Punkt gemeinsam mit seinem gesamten Team jubelte.

Ein Ausgangspunkt, kein Ziel

Der Sieg in Montpellier markiert nicht nur die sportliche Rückkehr von Arthur Fils, sondern auch den Beginn eines neuen Kapitels in seiner Karriere. Zufällig war es genau dieses Turnier, bei dem er 2023 seinen ersten großen Durchbruch schaffte, als er das Halbfinale erreichte und dort an Jannik Sinner scheiterte. Heute sind der Kontext und die Prioritäten andere.
Jenseits unmittelbarer Ergebnisse wirkt Fils darauf fokussiert, sich von innen heraus neu aufzubauen — fernab vom Lärm, den Vergleichen und der ständigen Beobachtung der größten Stars der Tour. In der zweiten Runde trifft er auf seinen Landsmann Lucky Loser Ugo Blanchet, mit dem Ziel, das Viertelfinale zu erreichen.
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