Spielbericht des Halbfinals in Melbourne zwischen dem haushohen Favoriten
Carlos Alcaraz und
Alexander Zverev. Während die ganze Welt auf ein erneutes Finale gegen Sinner hoffte, war es am Deutschen, dem einen Strich durch die Rechnung zu machen.
Fiebern Sie mit? Der Liveticker steht ganz unten in diesem Artikel.
Jeder gewann zunächst sein Aufschlagspiel – bis Alcaraz den Bann brach
Mit dem Großteil der Zuschauer auf seiner Seite musste Alcaraz lange warten, bis er sich seinen ersten Breakball erarbeiten konnte. Doch er konnte ihn nicht zum 4:3 verwerten.
Zwei Games später saß dann der zweite Versuch: Alcaraz schlug zu, ging mit 5:4 in Führung und servierte den Satz anschließend aus.
Topklasse bringt Zverev in den Tiebreak
Im zweiten Satz war für Sascha Zverev sofort höchste Alarmstufe angesagt. Ein lange umkämpftes Aufschlagspiel konnte der Deutsche schließlich doch noch über die Linie bringen. Als Zverev dann bei einem Spielstand von 2:3 einen Breakball hatte, den ersten der Partie, wurden es gleich drei. Der dritte saß, und Zverev bestätigte das Break.
5:2 stand es für Zverev im zweiten Satz, Sie lesen richtig, und dennoch konnte sich
Carlos Alcaraz in diesem Satz zurückkämpfen. Schlimmer noch: Es sah sogar so aus, als würde Alcaraz auf 5:6 davonziehen, als er im 11. Game zwei Breakbälle bekam. Was der Deutsche dann jedoch auspackte, war absolute Topklasse. Bei einem der Punkte ließ er Alcaraz neunmal von links nach rechts sprinten, um den Spanier, der den Punkt verlor, anschließend völlig ausgepumpt bei seinen Handtüchern und seinem Team nach Luft schnappen zu sehen.
Ein Ball auf die Linie und Serve-and-Volley bei eigenem Aufschlag gaben dem Mann aus Hamburg keine Möglichkeit, den Tiebreak zu vermeiden. Von 2:5 zurück zu 6:6 – Zverev musste in diesem Tiebreak mentale Stärke zeigen.
Erlebe den Tiebreak noch einmal
Bis dahin hatte Zverev erst drei Tiebreaks gespielt und davon nur einen gewonnen, gegen Learner Tien.
1:0: Guter Start, ein Ball von Alcaraz segelt ins Aus.
1:1: Alcaraz geht nach dem Aufschlag ans Netz und punktet mit dem Volley.
1:2: Schwacher Return von Zverev auf den zweiten Aufschlag von Alcaraz.
2:2: Starker Aufschlag von Zverev, Alcaraz returniert ins Aus.
3:2: Alcaraz schlägt ins Netz bei Aufschlag des Deutschen.
3:3: Finesse des Spaniers, ein wahnsinniger Stoppball, an den kein Mensch herankommt.
Die Sonne brennt auf die Schultern, in diesem Satz fällt die Vorentscheidung.
3:4: Wieder ein unerwarteter Stoppball, diesmal kommt Sascha noch ran, muss den Ball aber zu hoch liften und wird ausgevolleyt.
4:4: Noch kein einziger Mini-Break, Zverev hält stand.
5:4: Rally – Alcaraz ins Netz, weiterhin kein Break.
5:5: Mäßiger Return von Zverev, obwohl sein Vater angezeigt hatte, in den Ball hineinzugehen.
5:6: Das ist die Chance. Zverev geht ans Netz, um auszuvolleyieren, doch er verschlägt! Satzball Alcaraz.
5:7: Alcaraz returniert stark, Zverev spielt den Ball ohne Druck zurück, doch Alcaraz lauert wie ein Wolf und attackiert voll. Die Beschleunigung in der Vorhand erledigt den Rest: Ball ins Eck, und der erste Mini-Break des gesamten Tiebreaks beschert dem Spanier den ganzen Satz. Schade.
Aber fairerweise muss man sagen: Es gab nur eine einzige Öffnung (5:6), und die ließ Zverev ungenutzt. Das Unheil nahm früher seinen Lauf, als Zverev sein Aufschlagspiel nicht halten konnte.
Business as usual? Nein – der Alcaraz-Krampf
Schwacher Start von Alcaraz im dritten Satz, sofort 0:30 im Rückstand. Zwei Fehlschläge später steht es 30:30. Dennoch ein Breakball für den Mann aus Hamburg dank einer brillanten Backhand longline. Ein Stoppball rettet Alcaraz aus der Bredouille. Davon kann man schon mutlos werden.
Die Spielstände waren schnell wieder ausgeglichen bei 2:2.
Beim Aufschlag und einem Rückstand von 2:3 geriet Zverev mit 0:15 in Rückstand. Was er dann jedoch aus dem Hut zauberte, war beeindruckend. Er gewann die Rallys und vollendete die Punkte am Netz. Die Frage war, ob sich dieses Elan ins nächste Spiel mitnehmen ließ. Zunächst ja, durch extrem aggressives Kontern, doch zwei starke Aufschläge retteten Alcaraz schließlich das Game. Nicht 3:4, sondern 4:3.
Und dann passiert es. Beim Stand von 4:4 bringt Zverev Alcaraz aus seiner Komfortzone, und beim Spanier setzt der Krampf ein. Zverev ist verärgert darüber, dass die Uhr für den nächsten Aufschlag nicht gestartet wird. Er ist der Meinung, dass Krämpfe Teil des Spiels sind. Das wirkt nicht unbedingt wie Fairplay, ist aber natürlich nicht falsch. Zverev kann das Aufschlagspiel jedoch nicht gewinnen. Es folgt eine Diskussion mit dem Stuhlschiedsrichter, und Zverev macht seinem Ärger darüber, dass er sich benachteiligt fühlt, ausführlich Luft.
Alcaraz sitzt da bereits zurückgelehnt und lässt die Medical Timeout verstreichen.
Zverev muss nun durchhalten, schließlich liegt er mit 4:5 zurück. Alcaraz beginnt vorsichtig und kommt bei einer Rally zu spät. Auch den nächsten Punkt versucht er kurz zu halten, doch sein Ball segelt ins Aus.
Zwei schwächere erste Aufschläge von Zverev, und der Spanier ist nur noch zwei Punkte von einem Matchball entfernt. Wie kann das sein? Doch Zverev rettet sich.
Eine entscheidende Phase bricht an. Alcaraz’ Timeout ist aufgebraucht, der Krampf ist aber immer noch da. Und nun muss er aufschlagen.
Zverev bringt ihn nicht in Bewegung. Alcaraz kann sich kaum abstoßen, doch Zverev nutzt das nicht aus. Das ist schmerzhaft – für beide Spieler. Der eine kann nicht laufen, der andere kann es nicht ausnutzen. Doch es sind noch Punkte zu spielen.
Das geht doch nicht mehr! Doppelfehler von Zverev. Und danach ein Vorhand-Winner von Alcaraz. Zverev liegt 0:30 zurück!
Dann aber doch ein Ass und ein starker zweiter Aufschlag. Es geht erneut in den Tiebreak.
Die Ausgangslage ist klar: Zverev muss die Krämpfe des Spaniers komplett aus dem Kopf bekommen und den Tiebreak konsequent zu Ende spielen.
Kann Zverev im zweiten Tiebreak einen kühlen Kopf bewahren?
Alcaraz blickt um sich, Mini-Break für Zverev zum 2:3. Nur der Spanier selbst weiß, wie schlimm es wirklich ist. Sein Gesicht zeigt keine Kampfeslust, obwohl er kämpft wie ein Löwe.
Er schaut, als würde er in einen vollen Bus steigen und gleich wieder aufstehen.
Zverev zieht auf 4:2 davon und legt nun mit einem Stoppball nach. Der Deutsche ist im Killer-Modus – und das darf er auch sein.
Es wird noch 6:3, doch Zverev holt sich den dritten Satz mit einem Ass. Was wird Alcaraz jetzt tun? Macht er weiter oder nicht?
Vierter Satz gestartet, und Zverev sucht gezielt die Rückhandseite von Alcaraz
Alcaraz bekommt offenbar ein Gurkenwasser gereicht, vermutlich auch mit etwas Medikamenten dazu. Ist das noch überwindbar? Unwohl war ihm ja zuvor ebenfalls schon.
Es muss jedoch gesagt werden, dass der Deutsche weiterhin damit kämpft, mit der Situation umzugehen. Vor allem bei den Returns bekommt er die Bälle nicht aus der Schlagzone des Spaniers heraus – bemerkenswert.
Fortsetzung folgt