Alles ist angerichtet für das Finale der vierten Ausgabe des
United Cup, der nach der Halbfinal-Niederlage der Titelverteidiger USA einen neuen Champion sucht. Dieses Mal kommt es zu einem rein europäischen Endspiel: Polen strebt nach Revanche, nachdem es 2024 und 2025 im Finale scheiterte, erneut angeführt von
Iga Swiatek und
Hubert Hurkacz.
Im Weg steht ihnen eine der Überraschungen des Turniers: die Schweiz, angeführt von einer überragenden
Belinda Bencic, die über acht Partien (vier Einzel und vier Mixed) eine makellose Bilanz hingelegt hat. Hinzu kommt die Präsenz des dreimaligen Grand-Slam-Champions Stan Wawrinka, der sowohl im Einzel antritt als auch das Team als Kapitän führt, sowie der wertvolle Beitrag von Jakub Paul im Mixed an der Seite von Bencic. Gemeinsam führten sie die Schweiz nach dem Sieg gegen Belgien im Mixed in ihr erstes historisches Finale.
Aller guten Dinge sind drei für Polen
Anders als in den Vorjahren – als Polen dank der Ranglisten stets unter den Top zwei oder drei gesetzten Teams startete – ging es diesmal aufgrund der kombinierten Platzierung von Swiatek (Nr. 2) und
Hurkacz (Nr. 75) nur als Nummer neun ins Turnier. Die Verletzung, die Hurkacz über weite Teile des Jahres 2025 außer Gefecht setzte, verursachte einen deutlichen Absturz im Ranking, doch zu Beginn von 2026 findet er offenbar rasch zu seiner Form zurück und ist entscheidend für Polens Lauf.
Nach einer makellosen Gruppenphase mit 6:0 Siegen warteten in der K.-o.-Runde größere Hürden. Gegen Australien holte Swiatek den Einzelsieg, während Hurkacz Alex de Minaur unterlag. Dennoch sorgte das Doppel Kawa/Zielinski mit einer starken Vorstellung für das Halbfinalticket.
Dort traf Polen erneut auf die USA, die Finalgegner von 2024 und 2025, und konnte diesmal Revanche nehmen. Hurkacz besiegte Taylor Fritz, während Swiatek gegen Coco Gauff nicht durchkam, sodass erneut das Mixed entscheiden musste. In zwei umkämpften Sätzen feierten Kawa und Zielinski ihren vierten Sieg in Serie bei diesem Turnier und brachten Polen in sein drittes United-Cup-Finale in Folge.
Schweiz erreicht historisches erstes Finale
Der Schweizer Lauf wurde maßgeblich von der exzellenten Form von
Belinda Bencic getragen – aktuell Nr. 11 der Welt –, die all ihre vier Einzel sowie alle vier Mixed-Partien an der Seite von Jakub Paul gewonnen hat und sich damit zur bislang überragenden Spielerin des Turniers aufschwingt. Die ehemalige Olympiasiegerin von Tokio 2020 fehlt zudem nur noch ein Einzelsieg, um erstmals seit April 2023 – vor ihrer Schwangerschaftspause – in die Top 10 zurückzukehren.
Die Präsenz von Stan Wawrinka verleiht dem Schweizer Lauf eine besondere Note, zumal 2026 das letzte Jahr der Profi-Karriere des dreifachen Grand-Slam-Champions ist, der diesmal zugleich als Kapitän fungiert. Zwar gewann er nur eines seiner vier Einzel, blieb aber hochkompetitiv und trieb Gegner wie Flavio Cobolli und Zizou Bergs ans Limit, bevor er jeweils knapp unterlag. „Stan the Man“ zeigte seinen typischen Kampfgeist, und seine Chance, im Finale für eine Überraschung zu sorgen, ist nicht auszuschließen, da er das letzte Kapitel seiner Laufbahn mit einem weiteren Titel eröffnen möchte.
Bencic sinnt auf Revanche, Swiatek sucht den emotionalen Reset
Zwei Spielerinnen gehen mit Selbstvertrauen ins Turnier, doch Swiatek kommt nach einer schmerzhaften Niederlage gegen Coco Gauff ins Finale – eine Pleite, die Polen am Ende zwar den Gesamtsieg einbrachte, den Weg dorthin aber erschwerte. Für die sechsmalige Major-Siegerin war es eine emotional schwierige Niederlage, zumal sie vor einem Jahr im direkten Duell noch 11:1 führte. Seither hat Gauff die Rivalität gedreht und die letzten vier Begegnungen allesamt in zwei Sätzen gewonnen.
Dieses Resultat könnte letztlich zur Randnotiz werden, falls sich Swiatek für das Finale gegen Bencic neu sortiert. Die Polin hat fünf ihrer sechs Duelle mit der Schweizerin gewonnen, die einzige Niederlage datiert von den US Open 2021. Bencic kennt ihre jüngsten Pleiten gegen Swiatek in 2025 nur zu gut, insbesondere das Wimbledon-Halbfinale (6:2, 6:0) – ihr bestes Major-Ergebnis, das jedoch schmerzhaft mit nur zwei gewonnenen Spielen endete.
Zuletzt trafen sie vor zwei Monaten in Wuhan aufeinander, wo Swiatek für den Zweisatzsieg mehr als zwei Stunden benötigte. Für Bencic könnte dies angesichts Bühne und Rahmenbedingungen eine besonders günstige Gelegenheit sein, endlich Revanche an Swiatek zu nehmen.
Hurkacz-Aufschwung trifft auf Wawrinka-Erfahrung
Ein inspiriert aufspielender
Hubert Hurkacz zählt zu den prägenden Akteuren dieses
United Cup, zumal er sieben Monate pausieren musste. Nach seiner Rückkehr feierte er drei Siege in vier Matches, darunter Erfolge gegen Top-10-Spieler Alexander Zverev und Taylor Fritz; die einzige Niederlage kassierte er in einem knappen Dreisatzduell gegen Alex de Minaur.
Der ehemalige Weltranglisten-Sechste nimmt Fahrt auf in eine Comeback-Saison, in der er Positionen gutmachen muss. Seine starken Auftritte in Australien haben ihn bereits um 27 Plätze auf Rang 56 nach vorne gebracht. Ein Sieg über Stan Wawrinka im Finale würde ihn auf Rang 45 hieven – ein äußerst positives Ergebnis für seine erste Woche zurück auf der Tour.
Der dreimalige Major-Champion Wawrinka zeigt weiterhin, dass er noch auf höchstem Niveau mithalten kann, und steht nun vor einer weiteren anspruchsvollen Prüfung. In einem Finale spielen Nerven und mentale Stabilität eine entscheidende Rolle – jenseits bloßer Ranglisten –, und genau darauf muss Wawrinka den Fokus legen. Den Aufschlagrhythmus von Hurkacz zu matchen und die wenigen sich bietenden Chancen zu nutzen, wird zentral sein, insbesondere gegen einen Polen, der in nur vier Matches 77 Asse geschlagen hat.
Bencic/Paul vs. Kawa/Zielinski: Mixed könnte das United-Cup-Finale entscheiden
Sollte das Finale im Mixed entschieden werden, dürften beide Teams an der bewährten Formel festhalten, die sie durchs Turnier getragen hat. Die Schweizer haben in
Belinda Bencic und Jakub Paul ein herausragendes Duo gefunden, das sogar die dreifachen Grand-Slam-Mixed-Champions Sara Errani und Andrea Vavassori besiegte – wohl die ultimative Referenz in dieser Disziplin.
Weniger bekannt in der breiten Öffentlichkeit, haben Katarzyna Kawa und Jan Zielinski in heiklen Momenten bemerkenswerte Nervenstärke gezeigt und sowohl im Viertel- als auch im Halbfinale geliefert. Setzte Polen in den Vorjahren noch darauf, dass Swiatek und Hurkacz im Einzel und Doppel doppelt belastbar sind, verfügt das Team diesmal über eine eingespielte Spezialpaarung, die vier Siege in Serie eingefahren hat – darunter gegen das US-Duo mit der ehemaligen Doppel-Weltranglistenersten Coco Gauff und dem früheren Weltranglistensiebten Christian Harrison. Die Polen bewiesen ihre Nervenstärke und gewannen in zwei engen Tie-Break-Sätzen.