Mit nur 31 Jahren verabschiedete sich Dominic Thiem, der ehemalige Weltranglistendritte, im vergangenen Jahr aus dem Profitennis – ein Entschluss, der von körperlichen Rückschlägen geprägt war, aber letztlich auch zur inneren Ruhe führte. In einem Interview reflektierte der US Open-Sieger von 2020 nun offen über seinen Rücktritt, die Schmerzpunkte seiner Karriere und das neue Leben abseits des Tenniszirkus.
„Ich wollte den Tennissport nie wirklich verlassen“, räumte der Österreicher ein, „aber ich bin auch froh, zu Hause zu sein – zum ersten Mal seit Jahren habe ich einen ganzen Winter in der Kälte verbracht.“
Thiem galt als einer der wenigen Spieler seiner Generation, die die Dominanz der „Big Three“ zumindest phasenweise durchbrechen konnten. Mit seinem Triumph bei den US Open 2020 schrieb er österreichische Tennisgeschichte und fügte seinen Erfolgen bei den Finalteilnahmen in Roland Garros (2018, 2019) sowie den ATP Finals (2019, 2020) ein glanzvolles Kapitel hinzu. Auch das Finale der Australian Open 2020 bleibt unvergessen.
Doch was als große Karriere begann, endete jäh. Wiederkehrende Probleme am Handgelenk raubten dem Rechtshänder zunehmend die Kontrolle über sein Spiel – und letztlich die Freude daran. „Ich habe ein Freundschaftsspiel bestritten, aber wenn ich mehrere Tage hintereinander trainiere, verkrampft sich mein Arm wieder“, so Thiem.
Ein operativer Eingriff stand im Raum, doch Thiem entschied sich bewusst dagegen. „Ich weiß nicht, ob es mechanisch, mental oder ein Nerv war – aber eine Operation hätte zu viel verändert. Ich bin überzeugt, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe.“
Überraschend deutlich fällt Thiems Fazit zum Karriereende aus: „Tennis vermisse ich nicht besonders.“ Als sein Bruder im Januar die Junioren bei den Australian Open begleitete, sei er froh gewesen, daheimgeblieben zu sein: „Ich war einfach nur erleichtert, dass es vorbei war.“
Der Rückblick auf seine aktive Zeit fällt differenziert aus. „Es gab Phasen, da lief alles perfekt. Und dann wieder Momente, in denen nichts funktionierte. Mal konnte ich jeden schlagen, dann fehlte mir plötzlich das Gefühl für den Ball.“ Das schleichende Ende seiner aktiven Laufbahn beschreibt er so: „Am Ende hatte ich einfach nicht mehr die Sensibilität, den Ball richtig zu treffen.“
Sein letztes Profimatch bestritt Thiem im Oktober 2024 bei den Vienna Open – vor heimischer Kulisse, wo er mit Standing Ovations verabschiedet wurde. Gegen den italienischen Newcomer Luciano Darderi verlor er nach großem Kampf mit 6:7(6), 2:6. Ein symbolisches Ende einer großen, wenn auch verkürzten Karriere.