„Es nicht anzuerkennen ist ein historischer Fehler“: Mats Wilander unterstützt Guillermo Vilas’ Anspruch auf die Nummer 1 der Welt

ATP
Dienstag, 10 Februar 2026 um 14:30
Mats Wilander beobachtet das Geschehen.
Mats Wilander hat die ATP aufgefordert, Guillermo Vilas nachträglich als ehemaligen Weltranglistenersten anzuerkennen, und argumentiert, dass ein weiteres Zögern nur einen Fehler vertiefe, der seit Jahrzehnten andauert.

Wilanders Appell für Guillermo Vilas’ Nummer-1-Status

Vilas ist seit Jahren aus dem öffentlichen Leben verschwunden, doch die Debatte um seinen Platz in der Tennisgeschichte war nie lauter. Während die argentinische Legende gegen eine neurodegenerative Erkrankung kämpft, werden die Rufe nach Korrektur dessen, was viele als historische Ungerechtigkeit ansehen, immer lauter — und umfassen nun auch eine der respektiertesten Stimmen des Sports.
„Jeder Tag, der ohne Korrektur vergeht, ist eine größere Ungerechtigkeit, zumal seine Gesundheit zu berücksichtigen ist. Tennis verdankt Vilas sehr viel“, sagte Wilander in einem Interview mit CLAY während der Australian Open, wo er als Kommentator für Eurosport arbeitete.
Wilander, der selbst Ende der 1980er-Jahre 20 Wochen lang die Nummer 1 war, äußerte sich in seiner Bewertung der Belege für Vilas’ Anspruch unmissverständlich. „Wenn es Beweise dafür gibt, dass Guillermo Vilas die Nummer eins der Welt war, ist es ein historischer Fehler, dies nicht anzuerkennen“, fügte der siebenfache Grand-Slam-Sieger hinzu.
Zusätzliches Gewicht erhält Wilanders Vorstoß nicht nur durch sein Ansehen im Sport, sondern durch die Dringlichkeit seiner Botschaft. Vilas’ Gesundheit hat sich in den vergangenen Jahren aufgrund von Alzheimer stark verschlechtert, und er ist weitgehend aus der Öffentlichkeit verschwunden. Für Wilander macht diese Realität die Untätigkeit der ATP noch schwerer zu rechtfertigen.

Ein Fall, der auf jahrelanger Forschung beruht

Die „Beweise“, auf die sich Wilander bezieht, sind weder neu noch spekulativ. Sie sind das Ergebnis jahrelanger, detaillierter Recherchen unter Leitung des argentinischen Journalisten Eduardo Puppo, der die Ranglisten der 1970er-Jahre neu berechnete — einer Phase, in der das ATP-Ranking weit von einer Standardisierung entfernt war und mehrere Zirkel parallel existierten.
Puppos Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Vilas 1975 mindestens fünf Wochen und 1976 weitere zwei Wochen als Weltranglistenerster hätte geführt werden müssen — mitten in der Hochphase der Dominanz von Jimmy Connors. Seine Erkenntnisse waren derart umfassend, dass sie zur Grundlage einer Netflix-Dokumentation wurden, „Guillermo Vilas: Settling the Score“, die das Thema einem weltweiten Publikum nahebrachte.
Entscheidend ist, dass Puppo seine Schlussfolgerungen nicht nur veröffentlichte. Er stellte einen formellen Antrag an die ATP, die Daten zu prüfen und die Ranglisten rückwirkend zu korrigieren. Dieser Antrag wurde konsequent abgelehnt.
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Ein Präzedenzfall, den die ATP ignoriert

Für die Unterstützer von Vilas ist die Ablehnung umso frustrierender, weil es einen klaren Präzedenzfall gibt. 2007 erkannte die WTA an, dass Evonne Goolagong 1976 die Weltranglistenerste hätte sein müssen, und revidierte ihre historischen Aufzeichnungen, um aktualisierte Berechnungen zu berücksichtigen, die sie vor Chris Evert einordneten.
Die ATP jedoch hat keinerlei Bereitschaft gezeigt, einen ähnlichen Schritt zu gehen. Infolgedessen bleibt Vilas der einzige vierfache Grand-Slam-Champion im Herrentennis, der nie offiziell als Nummer 1 der Welt anerkannt wurde — eine Statistik, die Historiker und ehemalige Spieler weiterhin befremdet.

Guillermo Vilas’ Karrierezahlen und historischer Stellenwert

Der Argentinier spielte zwischen 1968 und 1992 professionell, gewann insgesamt 62 Titel und stand 42-mal im Finale.
Seine besten Jahre lagen zwischen 1977 und 1979. Er gewann vier Grand-Slam-Titel, und es gab einen Moment, in dem er drei der letzten vier Grand-Slam-Trophäen hielt — nach seinen Triumphen bei den French Open und den US Open 1977 sowie den Australian Open 1978. Seine beste Platzierung war jedoch die Nummer 2 der Welt — erstmals 1975 erreicht —, eine Position, die er insgesamt 83 Wochen innehatte.
Vilas zählt zu den größten Sandplatzlegenden und rangiert laut The Telegraph historisch auf Platz 3 auf diesem Belag, nur hinter Rafael Nadal (14-facher Roland-Garros-Sieger) und Björn Borg (sechsfacher Roland-Garros-Sieger).
Man könnte argumentieren, dass einige Namen in die Diskussion gehören, etwa Spieler mit drei French-Open-Titeln — darunter Novak Djokovic, Ivan Lendl, Gustavo Kuerten oder Wilander selbst.
Vilas’ Leistungen auf dem Platz sind unbestritten: mehrere Grand-Slam-Titel, unermüdliche Arbeitsmoral und ein tiefer Einfluss auf nachfolgende Generationen, insbesondere in Südamerika. Doch das Fehlen einer offiziellen Nummer-1-Notierung bleibt eine eklatante Lücke in seinem Lebenslauf.
Für Wilander ist die Lösung eindeutig. Die Daten existieren. Der Präzedenzfall existiert. Was fehlt, so deutet er an, ist der Wille zum Handeln. Mit den Jahren schwindet die Chance, dass diese Anerkennung für Vilas selbst noch Bedeutung hat — eine Realität, die laut Wilander Verzögerung zur Ungerechtigkeit werden lässt.
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