Alexander Zverev musste nicht glänzen, um zu überzeugen. In der stickigen Luft von Melbourne erledigte der Vorjahresfinalist seine Pflicht mit der Autorität eines Spielers, der weiß, wann ein Match kippen kann — und wann nicht. Der 28-Jährige setzte sich in der dritten Runde der
Australian Open gegen
Cameron Norrie mit 7:5, 4:6, 6:3, 6:1 durch und erreichte damit zum siebten Mal beim ersten Grand Slam des Jahres das Achtelfinale. Kein deutscher Spieler vor ihm hatte diese Marke erreicht, selbst Boris Becker blieb bei sechs Erfolgen am Yarra River stehen.
Ein Gegner Nach Maß — Und Zahlen, Die Es Belegen
Dass Norrie als Zverevs „Wunschgegner“ gilt, hatte auch an diesem Abend statistische Substanz. Im siebten Duell holte Zverev den siebten Sieg — und kontrollierte das Match über weite Strecken mit dem Service.
Mit 16 Assen bei nur einem Doppelfehler setzte der Hamburger früh Akzente. Er brachte 72 Prozent seiner ersten Aufschläge ins Feld und gewann davon starke 78 Prozent der Punkte. Norrie kam zwar auf eine ähnliche Quote beim ersten Service, konnte daraus aber deutlich weniger Kapital schlagen.
Der Unterschied zeigte sich vor allem in der Durchschlagskraft. Zverev schlug 52 Winner bei nur 29 unerzwungenen Fehlern, während Norrie mit 29 Winnern und 33 Fehlern häufiger überziehen musste. Der Dominance Ratio von 1,33 (
Erstquelle: TNNS.com) spiegelte die Balance klar wider — Norrie kam lediglich auf 0,75.
Geduld Nach Dem Satzverlust
Nach dem Verlust des zweiten Satzes blieb
Zverev ruhig. Statt das Tempo unnötig zu erhöhen, verlagerte er den Druck auf die Rückschlagspiele. Insgesamt gewann er 39 Prozent der Returnpunkte und schaffte zwei Breaks in 2 Möglichkeiten — genug, um dem Match früh im dritten Satz die Richtung zu geben.
Besonders auffällig war, wie konsequent Zverev Norries zweiten Aufschlag attackierte. 45 Prozent der Punkte bei dessen zweiten Service gingen an den Deutschen, der damit immer wieder kurze Ballwechsel erzwang und seine Physis ausspielte. Norrie konnte bei 11 Gelegenheiten keinen einzigen ersten Aufschlag von Zverev returnieren.
Im vierten Satz war der Widerstand gebrochen. Zverev gewann fünf Spiele in Serie, dominierte 61 Prozent der Games insgesamt und verwandelte nach 2:46 Stunden seinen ersten Matchball — ohne Drama, aber mit Nachdruck.
Match Stats Zverev vs. Norrie
| Zverev |
VS |
Norrie |
| 16 |
Aces |
5 |
| 1 |
Double Faults |
2 |
| 72% (76/106) |
1st Service Percentage |
66% (76/116) |
| 78% (59/76) |
1st Service Points Won |
64% (49/76) |
| 53% (16/30) |
2nd Service Points Won |
55% (22/40) |
| 60% (3/5) |
Break Points Saved |
57% (8/14) |
| 89% (17/19) |
Service Games |
68% (13/19) |
| 36% (27/76) |
1st Return Points Won |
22% (17/76) |
| 45% (18/40) |
2nd Return Points Won |
47% (14/30) |
Konstanz In Melbourne — Und Ein Blick Nach Vorn
Mit dem Einzug ins Achtelfinale steht Zverev nun zum siebten Mal bei den
Australian Open in Runde vier. In Melbourne fühlt er sich sichtbar wohl, auch wenn die äußeren Bedingungen zunehmend zum Faktor werden.
Am Sonntag warten wieder Temperaturen um die 30 Grad, nachdem für den Samstag sogar Werte nahe 40 Grad angekündigt sind. Die Veranstalter reagierten und zogen den Spielbeginn auf den Außenplätzen auf 10.00 Uhr Ortszeit vor. Zverev wird froh sein, an diesem Hitzetag nicht antreten zu müssen.
Im Achtelfinale trifft er auf Francisco Cerúndolo — einen Gegner, der ihm liegt wie Norrie nicht. Gegen den Argentinier verlor Zverev drei der bisherigen fünf Duelle. Cerúndolo kommt mit Selbstvertrauen, nach einem klaren Dreisatzsieg gegen Andrey Rublev.
Zverev aber reist mit Zahlen, Form und Ruhe an. Und genau diese Mischung hat ihn in Melbourne schon weit getragen.