Australian Open Night Sessions: Spätstarts bis 4 Uhr – Zeit für ein Curfew wie in Wimbledon?

Tennis News
durch Theo Stodiek
Freitag, 16 Januar 2026 um 13:30
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Mit den Australian Open findet in wenigen Tagen der Auftakt der diesjährigen Grand-Slam-Saison statt. Bei dem „Happy Slam“, wie viele Fans das Major in Down Under nennen, wird es auch 2026 wieder die stark diskutierten Night Sessions geben. Diese beginnen in Melbourne um 19 Uhr Ortszeit und umfassen jeweils ein Match aus der Herren- sowie der Damenkonkurrenz.
In den vergangenen Jahren sorgten diese Abendpartien immer wieder für epische Krimis – und extrem späte Zielzeiten. Das prominenteste Beispiel der jüngeren Vergangenheit: Daniil Medvedevs Zweitrundenmatch gegen Emil Ruusuvuori 2024, das nach einem 3:2-Comebacksieg des späteren Finalisten erst um 3:39 Uhr morgens endete. Schon ein Jahr zuvor schloss Andy Murray seine Fünf-Satz-Schlacht gegen Thanasi Kokkinakis sogar erst nach 4 Uhr morgens ab und bezeichnete das Ganze anschließend als „Farce“.

Spieler im Zwiespalt: Spektakel vs. Zumutbarkeit

Sleep scientists warnen zudem vor den gesundheitlichen Folgen solcher Nächte: Weniger als sechs Stunden Schlaf mindern Muskelreparatur und Energieproduktion massiv. Nach Match, Presse und Physio kommen Profis oft erst am nächsten Morgen ins Bett.
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Nach seinem Rücktritt nahm der dreifache Grand-Slam-Sieger für kurze Zeit als Trainer in der Box von Novak Djokovic Platz.
Die Stimmen der Top-Spieler
Diese Spiele liefern zwar hochspannende Unterhaltung, stellen die Profis jedoch vor enorme körperliche und mentale Herausforderungen. In seinem On-Court-Interview in Melbourne sagte Murray nach dem Sieg gegen Kokkinakis: „Ich weiß nicht, wem das [das späte Ende] nützt. Wir kommen nach dem Spiel hierher, und das ist das Thema der Diskussion, anstatt dass es um das epische Match geht. Es endet ein bisschen wie eine Farce.“
Auch Daniil Medvedev fand nach seinem nächtlichen Marathon deutliche Worte – ohne Night Sessions grundsätzlich verteufeln zu wollen. „Ich habe nichts dagegen, nachts zu spielen, verstehen Sie mich nicht falsch, aber das erste Spiel um 19 Uhr zu beginnen, verlangt einfach nach Problemen“, sagte der US-Open-Sieger von 2021. Wenn beide Night-Session-Matches über fünf Sätze gingen, sei es schlicht zu spät. „Sie sollten um 18 Uhr starten“, so der Russe, der in dieser Nacht noch Eisbad, medizinische Behandlung und Physiotherapie absolvieren musste, bevor er gegen 7 Uhr ins Bett kam und mit fünf Stunden Schlaf in die nächste Runde ging.
Medvedev betonte zudem, dass er mit seiner Forderung nach einem früheren Beginn nicht alleine stehe. „Ich glaube, wenn Sie andere Spieler fragen würden, würde wohl niemand sagen: ‚Nein, fangen wir um 8 Uhr an.‘ Wahrscheinlich wären alle froh, wenn wir um 6 Uhr anfangen würden.“ John Isner, der 2010 in Wimbledon das längste Match der Tennisgeschichte bestritt, formulierte es noch drastischer: Niemand sollte um 3:30 Uhr Tennis spielen, das sei „kompletter Unsinn“.
Trotz dieser Kritik gibt es auch prominente Stimmen, die den besonderen Reiz der Night Sessions hervorheben. Roger Federer erklärte bereits 2008, er möge die Abendspiele in Melbourne sehr: „Sie haben eine ganz eigene Atmosphäre. Ich finde sie etwas elektrisierender.“ Zugleich räumte der 20-fache Grand-Slam-Champion ein, dass die Ansetzungen für Spieler und Fans manchmal zu spät seien – ein Spannungsfeld, das die Debatte bis heute prägt.

Regelwerk auf der Tour

Die Diskussion um eine Art Curfew wie in Wimbledon, wo seit Jahren um 23 Uhr Schluss ist, erhält durch diese Beispiele neue Nahrung. Während ATP und WTA mit neuen Richtlinien versuchen, Starts nach 23 Uhr sowie Marathons bis tief in die Nacht auf der Tour einzudämmen, behalten die Grand Slams ihre eigene Hoheit über den Spielplan. Die Australian Open reagierten zwar mit einem zusätzlichen Turniertag und einer strikteren Verteilung der Matches, doch fünf der spätesten Grand-Slam-Finishes der Geschichte fanden weiterhin in Melbourne statt – ein Zeichen dafür, wie schwer sich Tradition, TV-Interessen und Spielerwohl in Einklang bringen lassen. Sportlich beginnt das Turnier 2026 dennoch mit einem echten Blockbuster-Abend: Auf der Rod Laver Arena bestreiten Aryna Sabalenka und Carlos Alcaraz die erste Night Session, während in der Margaret Court Arena Alexander Bublik und Emma Raducanu ab 19 Uhr Ortszeit – 9 Uhr morgens deutscher Zeit – gefordert sind.
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