Die ehemalige Weltranglisten-Vierte Dominika Cibulkova hatte eine hoch dekorierte Karriere und stand kurzzeitig an der Spitze des Tennis. In
Match Point Canada sprach sie über ihre früheren Triumphe, die Lehren aus ihrer Niederlage bei den Australian Open 2014 und wie sie diese in ihr Spiel integrierte, um die
WTA Finals 2016 zu gewinnen.
Vom drohenden Absturz zum größten Titel ihrer Karriere
Der Höhepunkt ihrer Laufbahn kam 2016, als sie die WTA Finals in Singapur gewann. In einem Feld voller Weltklasse erwies sie sich als unerwartete Siegerin. „Als ich ankam, fühlte ich mich trotz Ranglistenplatz 8 wie eine Außenseiterin. Es war mein erstes Mal dort, und alles wirkte anders“, erinnerte sie sich.
„In meinem ersten Match gegen Angelique Kerber, die Nummer 1 der Welt, war ich so nervös, dass ich im zweiten Satz Krämpfe bekam. Ich komme aus einem kleinen Land, und manchmal haben wir eher die Haltung, bloß nicht zu scheitern, statt daran zu glauben, dass wir gewinnen können. Das vermittle ich heute in meiner Akademie – wie wichtig es ist, an sich selbst zu glauben.“
Der Druck der Bühne setzte ihr zu, und zeitweise stand sie kurz davor, kein einziges Match zu gewinnen. „Ich verlor gegen Kerber und dann gegen Madison Keys, die ich noch nie geschlagen hatte. Ich fühlte mich schrecklich – wie die schlechteste Spielerin der Welt. Ich dachte: ‚Das ist eine Katastrophe. Ich bin hergekommen und habe kein Match gewonnen.‘“
Dennoch gab es einen Wendepunkt. „Ich spielte gegen Simona Halep und wusste, dass ich in zwei Sätzen gewinnen musste, um eine Chance aufs Weiterkommen zu haben“, erklärte sie. „Diese Klarheit half mir, den Fokus zu finden. Ich sagte mir: ‚Das ist die einzige Option.‘ Ich gewann 6:4, 7:6. Der Tiebreak war sehr nervenaufreibend – sie war nur einen Punkt davon entfernt, den Satz zu holen, und es gab sogar ein Problem mit Hawk-Eye. Aber am Limit zu stehen, ließ mich besser spielen. Ich war völlig fokussiert und kam durch.“
Mit viel Selbstvertrauen ging sie ins Halbfinale – ein Drei-Satz-Sieg über Svetlana Kuznetsova. Im Endspiel wartete erneut Kerber. Diesmal war sie vorbereitet. „Ich spielte wieder gegen Kerber, und diesmal wusste ich genau, was zu tun ist. Ich sagte mir: ‚Ich ziehe das durch, und ich werde gewinnen.‘ Und genau so kam es. Das zeigt wirklich, wie sehr die mentale Einstellung zählt.“
Aus Niederlagen auf der größten Bühne lernen
Zwei Jahre zuvor stand sie nach zwei brillanten Tenniswochen im Finale der Australian Open. Auf dem Weg dorthin besiegte sie unter anderem Maria Sharapova und Simona Halep, doch im Endspiel fehlte der letzte Schritt, Li Na gewann 7:6, 6:0.
„Ein Grund für dieses Ergebnis war meine mentale Verfassung, die nicht gut war – es fehlten Glaube und Selbstvertrauen vor dem größten Match meines Lebens“, sagte sie. „Man kann großartig spielen und in Topform sein, und ich will nicht sagen, dass man das Match schon am Vorabend gewinnt – aber die Einstellung am Abend davor macht einen großen Unterschied. Man kann das Match am Abend davor definitiv verlieren, wenn man nicht positiv denkt. Und genau das passierte mir. Vor dem Finale der Australian Open 2014 gegen Li Na glaubte ich überhaupt nicht an mich – null.“
Die Bedeutung des Moments überwältigte sie, die Niederlage war vorgezeichnet. „Ich dachte: ‚Wow, ich stehe in einem Grand-Slam-Finale. Davon habe ich nie einmal geträumt.‘ Obwohl ich großartig spielte, war ich mental nicht da. Deshalb verlor ich das Finale – ich glaubte nicht, dass ich gewinnen könnte. Ich glaubte es schon am Abend davor nicht. Sogar Chris Evert kam zu mir. Sie war sehr nett – wir hatten zuvor in ihrer Akademie trainiert – und sie versuchte, mich vor dem Match zu ermutigen. Aber ich glaubte ihr nicht. Die Worte drangen einfach nicht zu mir durch.“
Aus dieser Niederlage zog sie jedoch wertvolle Erfahrungen und Lehren, die für zukünftige Turniere entscheidend waren. „Deshalb sage ich immer: Das verlorene Finale der Australian Open 2014 hat mir geholfen, 2016 in Singapur den Titel zu holen. Was man aus solchen Erfahrungen lernt, ist unglaublich.“
Ihr ausgefülltes Leben nach dem Aufhören
Das Leben auf der Tour ist für jede Tennisspielerin extrem intensiv, doch auch abseits davon hat Cibulkova alle Hände voll zu tun. „Wie du sagst, ich habe
zwei Kinder – einen fünfjährigen Jungen und ein Mädchen, Nina, die drei ist – sie halten mich wirklich auf Trab“, sagte sie. „Sie sind jetzt schon im Kindergarten, also habe ich etwas mehr Zeit für mich. Ich wurde tatsächlich nur einen Monat nach meinem Rücktritt schwanger, es war also eine sehr intensive Phase.
Darüber hinaus hat sie noch einiges mehr zu tun. „Ich leite außerdem meine Tennisakademie in Bratislava. Ich versuche, zwei- bis dreimal pro Woche dort zu sein, um die Kinder zu beobachten und ihnen zu helfen. Zusätzlich habe ich eine Fitness-App, in der die Leute Trainings- und Ernährungspläne verfolgen können. Und ich betreue meinen Instagram-Account, wo ich einige Werbekooperationen mache. Es gibt also eine Menge zu managen.“
Cibulkova beendete ihre Karriere, nachdem wiederkehrende Achillessehnenprobleme ihren Tribut gefordert hatten. 2019 schloss sie dieses Kapitel und stürzte sich ins Ungewisse des Ruhestands. „Ich hatte keine Ahnung, was ich nach dem Aufhören machen würde. Ich wusste nur, es ist Zeit – ich war auf dem Platz nicht mehr glücklich und hatte das Gefühl, ein neues Kapitel sollte beginnen“, sagte sie.
„Wir gründeten eine Familie, und dann ergaben sich diese Geschäftsmöglichkeiten nach und nach. Nach der Geburt meiner Kinder nahm ich ziemlich zu. Also teilte ich auf Instagram, dass ich rund 25 Kilo abnehmen wollte, und lud die Leute ein, meine Reise zu verfolgen. Das hat die Menschen wirklich angesprochen. Da dachte ich: ‚Okay, machen wir etwas daraus‘, und entwickelte die Fitness-App, damit die Leute mit mir trainieren und strukturierten Plänen folgen können.“
Sie trat mit 30 zurück – ein junges Alter, um den Schläger an den Nagel zu hängen. Eine Rückkehr schloss die Slowakin aus, die sich nicht zu einem Comeback verleiten ließ. „Nein, nicht wirklich. Ich weiß, wie hart es für meinen Körper war. Ich bin eine der kleineren Spielerinnen, also musste ich körperlich immer bei 200% sein. Ich könnte mir nicht vorstellen, wieder fünf oder sechs Stunden am Tag zu trainieren, dazu Physio und Reisen – vor allem mit Kindern. Ich wollte mich auf die Familie konzentrieren, und genau das tue ich.“
Tennis ist nie ganz aus ihrem Alltag verschwunden, sie verfolgt den Sport weiterhin aus der Ferne. „Ja, manchmal – besonders bei großen Turnieren. Ich arbeite außerdem mit einer Wettfirma in der Slowakei zusammen, für die ich Matchprognosen abgebe. In Indian Wells hatte ich tatsächlich 12 von 12 richtigen Tipps. Ich bleibe dem Spiel also weiterhin verbunden.“