„Es war die seltsamste Erfahrung meines Lebens“: Marta Kostyuk über das Spielen in der Ukraine während des Krieges

WTA
Samstag, 11 April 2026 um 13:00
Marta Kostyuk lächelt
Marta Kostyuk legte zum Auftakt des Billie Jean King Cup-Qualifikationsduells der Ukraine gegen Polen einen souveränen Auftritt hin und besiegte Magda Linette mit 6:4, 6:0, womit sie den Ton für einen wegweisenden Tag in Gliwice setzte. Das Ergebnis wurde umgehend von Elina Svitolina untermauert, die Katarzyna Kawa mit 6:2, 6:1 bezwang und die Ukraine nur noch einen Sieg vom Einzug in die Finals 2026 entfernte.
Die Resultate auf dem Platz waren eindeutig, doch der übergeordnete Kontext der ukrainischen Kampagne prägt weiterhin die Erzählung. Im Wettbewerb unter den anhaltenden Folgen der russischen Invasion rahmen die ukrainischen Spielerinnen ihre Auftritte wiederholt als Teil einer größeren Realität, in der Sport mit dem Alltag unter Konflikt verschmilzt.
Kostyuk, aktuell die Nummer 27 der Welt, nutzte ihre Plattform, um jüngste Trainingserfahrungen in der Ukraine zu schildern und Einblicke in die Bedingungen jenseits der Tour zu geben. Ihre Überlegungen unterstreichen den Kontrast zwischen dem Profiwettkampf und dem Umfeld, in dem viele in ihrer Heimat weiterhin leben.
Der Vorstoß der Ukraine in diesem Wettbewerb baut auf dem Halbfinaleinzug des vergangenen Jahres auf, dem bislang besten Ergebnis der Nation im Billie Jean King Cup. Mit nur noch einem Sieg bis zur Qualifikation für die Finals ist das Team auf Kurs, diese Leistung zu erreichen oder zu übertreffen – mit einer Bedeutung, die über die Ergebnisse hinausreicht.

Tennis im Konflikt: Kostyuks Perspektive

Kostyuks Schilderung des Trainings in der Ukraine führte eindringlich vor Augen, welchen Realitäten man fernab des Wettkampfs begegnet. Sie berichtete von der Rückkehr zum Training in ihrer Heimat unter Bedingungen, die von anhaltenden Luftalarmwarnungen geprägt sind, und hob die Normalisierung solcher Situationen in der lokalen Bevölkerung hervor.
„Das war das erste Mal, dass ich seit Beginn des umfassenden Krieges wieder richtig Tennis in der Ukraine gespielt habe. Es war die seltsamste Erfahrung meines Lebens, zu trainieren, als die Luftschutzsirenen losgingen.“
Ihre Schilderung umfasste auch Momente im Training, in denen äußere Bedrohungen unausweichlich wurden und dennoch der Ablauf weiterging. Der Kontrast zwischen ihrer eigenen Reaktion und der gelassenen Haltung der Menschen um sie herum verdeutlichte die notwendige Anpassung an solche Umstände.
„Wir haben weitergespielt, weil wir das Training einfach beenden mussten, aber wir hörten in der Ferne Explosionen. Weil mir das nicht vertraut ist, habe ich die Leute um mich herum beobachtet, um zu sehen, wie sie damit umgingen.“
Kostyuk verwies zudem auf die Normalisierung dieser Bedingungen bei jüngeren Generationen und darauf, wie sogar Kinder ohne Aufregung reagierten. Die Erfahrung sei beunruhigend gewesen, spiegele jedoch den Alltag vieler Ukrainerinnen und Ukrainer wider, sagte sie.
„Sogar Kinder sagten: ‚Drohnen und Raketen kommen, das ist nichts.‘ Ich war innerlich angespannt und fragte mich, ob wir rennen sollten, weil eine Drohne kam. Doch alle um mich herum wirkten ruhig, also dachte ich, ich sollte ruhig bleiben. Es war eine sehr seltsame Erfahrung und nichts, was ich empfehlen oder noch einmal erleben möchte, aber es ist Teil des Lebens für Millionen von Menschen.“

Fokus auf dem Platz und Teamresilienz

Während Kostyuks Einblicke den Kontext lieferten, blieb der Auftritt der Ukraine in Gliwice von konsequenter Umsetzung geprägt. Ihr Zweisatzsieg über Linette sorgte früh für Kontrolle im Duell, getragen von Konstanz von der Grundlinie und effizienter Punktgestaltung, die die Möglichkeiten der Gegnerin minimierte.
Svitolina folgte mit einem ebenso kontrollierten Auftritt und setzte ihre starke Bilanz im Billie Jean King Cup fort. Ihr Sieg über Kawa brachte ihr zudem allein den fünften Platz bei den meisten Matchsiegen einer ukrainischen Spielerin in diesem Wettbewerb ein und unterstrich ihre Rolle als zentrale Figur im Team.
„Heute war ein guter Tag. Ich war wirklich zufrieden damit, wie ich heute mit den Nerven umgegangen bin. Billie Jean King Cup ist ein Bouquet verschiedener Emotionen, und Nerven sind nur ein Teil davon.“
Svitolina betonte die Bedeutung gegenseitiger Unterstützung innerhalb des Teams, besonders in einem Wettbewerb, in dem einzelne Matches direkt zu einem gemeinsamen Ergebnis beitragen. Die Präsenz ukrainischer Fans, trotz des Auswärtsspiels, verstärkte diese Dynamik zusätzlich.
„Man muss mit diesen Nerven umgehen, aber in diesem Wettbewerb hat man ein Team, das einen trägt, daher war es schön, ihre Unterstützung und die Unterstützung der Ukraine-Fans zu haben. Näher konnten sie nicht daran sein, uns in der Ukraine spielen zu sehen.“
Mit Blick nach vorn liegt die Verantwortung nun im Doppel bei Lyudmyla und Nadiia Kichenok, deren Sieg der Ukraine den Platz bei den Finals 2026 sichern würde. Trotz des Vorteils mahnte Svitolina zur weiteren Konzentration. „Heute war ein guter Tag, aber morgen ist ein weiterer wichtiger Tag. Wir müssen fokussiert bleiben und wieder angreifen.“
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