Serena Williams gilt weltweit als eine der größten Ikonen des Tennissports – manche bezeichnen sie gar als die bedeutendste Spielerin aller Zeiten. Doch die ehemalige deutsche Tennisprofispielerin Andrea Petkovic vertritt eine differenzierte Sichtweise: Ihrer Einschätzung nach hätte ihre Landsfrau Steffi Graf die Amerikanerin in einem direkten Duell auf dem Höhepunkt beider Karrieren übertrumpfen können.
Im direkten Vergleich auf der WTA-Tour stehen sich Graf und Williams mit jeweils einem Sieg gegenüber. Ihr einziges Aufeinandertreffen fand 1999 statt – ein Jahr, das eine symbolische Wachablösung markierte: Graf stand kurz vor ihrem Rücktritt, während Williams sich gerade anschickte, die Tenniswelt im Sturm zu erobern. Während Williams ihre Karriere mit 23 Grand Slam-Titeln im Einzel beendete, kommt Graf auf 22 Majors – eine Differenz, die auf dem Papier minimal scheint, im sporthistorischen Kontext jedoch regelmäßig Anlass zu Debatten gibt.
Im Tennis-Podcast von Rennae Stubbs erläuterte Petkovic ihre Überzeugung, dass ein fiktives Duell beider Spielerinnen zur Glanzzeit zugunsten von Graf ausgegangen wäre. Die frühere Weltranglisten-Neunte betonte insbesondere die taktischen Fähigkeiten der Deutschen, die mit ihrem legendären Slice selbst dominanten Spielerinnen Probleme bereitet habe.
„Wenn ich mein Geld setzen müsste – 100 Dollar – dann vielleicht auf Aryna [Sabalenka], aber nur mit viel Unsicherheit. Die Einzige, bei der ich mir wirklich sicher bin, dass sie Serena in Bestform hätte schlagen können, ist Steffi“, so Petkovic. „Allein durch ihren Slice hätte sie Serenas Rhythmus gebrochen – und wir wissen, wie sehr Serena das aus dem Konzept bringen konnte. Man denke nur an ihre Niederlage gegen Roberta Vinci bei den US Open 2015.“
Tatsächlich scheiterte Williams in jenem denkwürdigen Halbfinale überraschend an der Italienerin, die mit cleverem Spiel und variabler Schnitttechnik die Favoritin bezwang – ein Beweis dafür, wie anfällig selbst eine Ausnahmeathletin wie Williams gegen unorthodoxe Spielstile sein konnte.
Steffi Grafs Fähigkeit, Tempo aus dem Spiel zu nehmen, Rhythmuswechsel zu erzwingen und gleichzeitig mit ihrer Beinarbeit und mentalen Stärke zu brillieren, machen sie in den Augen Petkovics zur ernsthaften Konkurrentin – ja, zur möglichen Bezwingerin – der kraftvollen und dominanten Serena Williams.
Ob es je eine eindeutige Antwort auf die Frage gibt, wer die „Größte aller Zeiten“ ist, bleibt offen. Sicher ist: In der Vorstellungskraft der Tenniswelt bleibt das Duell Graf gegen Williams eines der faszinierendsten „Was-wäre-wenn“-Szenarien der Sportgeschichte.