Eine neue Welle der Spielerproteste bringt Bewegung in die Machtverhältnisse im Profi-Tennis: Anfang dieser Woche wurde bekannt, dass die jeweils 20 bestplatzierten Akteure und Akteurinnen der ATP- und WTA-Tour einen gemeinsamen Brief an die Veranstalter der vier Grand Slam-Turniere gerichtet haben. Darin fordern sie unter anderem höhere Preisgelder, mehr Transparenz und eine stärkere Mitsprache bei turnierrelevanten Entscheidungen.
Bemerkenswert ist, dass Elena Rybakina, die zu dem Zeitpunkt noch zu den Top 5 der Weltrangliste gehörte, das Schreiben offenbar nicht unterzeichnet hat. Laut der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), die am Donnerstag eine Kopie des Briefes einsehen konnte, fehlen ihre handschriftlichen Initialen – im Gegensatz zu zehn der elf besten Spielerinnen der Welt, die den Appell unterzeichneten.
Unter den namentlich genannten Unterzeichnerinnen befinden sich Aryna Sabalenka, Iga Świątek, Coco Gauff, Jessica Pegula, Madison Keys, Jasmine Paolini, Emma Navarro, Zheng Qinwen, Paula Badosa und Mirra Andreeva. Über Rybakinas Beweggründe gibt es bislang keine offiziellen Aussagen. Auf der Plattform X (ehemals Twitter) spekulierte @sebsharfam2, dass die Abwesenheit ihrer langjährigen Agentin eine Rolle gespielt haben könnte – möglicherweise übernimmt ihr Coach Stefano Vukov inzwischen auch diese Aufgaben.
Inhaltlich legt der Brief den Finger auf mehrere neuralgische Punkte der Tenniswirtschaft: Die Unterzeichner verlangen unter anderem, dass die Grand-Slam-Turniere sich stärker an der Finanzierung von Spieler-Wohlfahrtsprogrammen beteiligen – Programme, die bislang ausschließlich durch die ATP und WTA getragen werden.
Außerdem wird eine Neuausrichtung der Preisgelder gefordert. Diese sollen sich künftig „in einem angemesseneren Verhältnis zu den Gesamteinnahmen der Turniere“ bewegen und damit den tatsächlichen Wert widerspiegeln, den die Spielerinnen und Spieler durch ihre Leistung generieren.
Ein dritter Kernpunkt betrifft die Einflussnahme auf zentrale Entscheidungen, insbesondere in Fragen, die „den Wettbewerb sowie die physische und psychische Gesundheit der Spieler unmittelbar betreffen.“
Ein Gipfel in Madrid – und ein wachsender Druck
Ein persönliches Treffen zwischen Spielervertretern und den Verantwortlichen der vier Majors – Wimbledon, Roland Garros, US Open und Australian Open – ist für die Madrid Open angesetzt. Die Initiative fällt in eine Zeit wachsender Spannungen im Tennisbetrieb, unter anderem auch durch die fortlaufenden Bestrebungen der Professional Tennis Players Association (PTPA), die die Interessen der Profis unabhängig von ATP und WTA vertreten will.
Auch bei den Männern zählt das Schreiben prominente Unterstützer: Jannik Sinner, Novak Djokovic, Carlos Alcaraz, Daniil Medvedev, Alexander Zverev, Taylor Fritz, Casper Ruud, Andrey Rublev, Stefanos Tsitsipas und Alex de Minaur gehören zu den Unterzeichnern.
Was genau aus dem Vorstoß hervorgehen wird, bleibt abzuwarten. Doch eins ist klar: Die lautstarken Forderungen der Elite setzen die Grand Slam-Veranstalter unter Druck. Das Momentum für strukturelle Veränderungen ist so groß wie lange nicht – und die Spielerinnen und Spieler zeigen, dass sie bereit sind, geschlossen für ihre Interessen einzutreten.
Earlier this week, we learned that 20 players wrote to the 4 GS for more money repartitions.
— Sebastien G. (@sebsharfam2) April 4, 2025
Top 10 ATP
Top 11 WTA
Signed
Except...Rybakina
Wondering why?
Not agree with the idea ?
Nobody reached her for that ?
Myself i have a idea... pic.twitter.com/sMJHHkLxsL